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Und nach dem Duschen waren immer mehr Haare im Sieb. Ich schlug das Handtuch nur noch vorsichtig um den Kopf, ließ die Haare lufttrocknen und fönte nur noch die Spitzen rund. Es war ein eigenartiges Gefühl. Die Haare hatten kaum noch Spannung und ich bewegte meinen Kopf nur noch ganz vorsichtig. Ich stellte mich seelisch darauf ein, dass am Wochenende wohl der entscheidende Schritt fällig wird. Reinhard meinte, er würde mir die Haare mit dem Bartschneider abrasieren, dafür bräuchte ich nicht zum Friseur.
Am Samstagvormittag gingen wir wie immer auf den Markt. An unserem Obststand demonstrierte ich dann, wie ich die Haare büschelweise vom Kopf ziehen konnte. Und nachmittags war es dann soweit. Ich saß in der Küche auf dem Stuhl und Reinhard rasierte mir die Haare Strähne für Strähne ab und legte die Haare in einen Karton. Ihm haben dabei nicht mal die Hände gezittert. Der Bartschneider war so eingestellt, dass noch ½ cm stehen blieb. Trotzdem war ich nicht in der Lage, danach in den Spiegel zu schauen.
Ich holte meine Perücke aus dem Karton und setze sie auf. Im Geschäft hatte mir Frau Hirsch gezeigt, wie die Perücke aufgesetzt wird. Trotzdem saß der Scheitel irgendwie nicht dort, wo er sein sollte und ich versuchte mit der Bürste eine Frisur hinzukämmen. Im Garten saßen Anni, Fini und Inge. Es wurde schon dunkel, doch sie winkten mich noch runter. Also steckte ich meine Perlenstecker ein (ich erwähnte schon, dass ich nicht eitel bin...), nahm mir ein großes Glas Weißwein mit Eiswürfeln, meine Zigaretten und den Aschenbecher mit und ertränkte mein Leid im Garten. Die drei bestätigten mir zwar, dass die Perücke wie echt aussieht und dass mir die Frisur gut steht. Und sie versuchten, mich zu trösten, dass die Haare ja wieder wachsen würden.
Als ich wieder hoch kam, hatte ich einen Ohrstecker verloren, war etwas „angetüddert“ und psychisch nicht so gut drauf. Am Sonntagmorgen war das Kopfkissen voll mit den kurzen Haaren, deshalb rasierte Reinhard am Sonntag den restlichen ½ cm auch noch ab. Dann habe ich auch vorsichtig einmal in den Spiegel geguckt, irgendwie musste ich mich die für nächste Zeit daran ja gewöhnen. Und dann habe ich die Perücke auch richtig herum aufgesetzt und der Scheitel war gleich an der richtigen Stelle. Das war das amüsante Erlebnis zu diesem Thema.
Am Montag ging ich also mit meinen „neuen“ Haaren zur Arbeit. Als erstes begegnete mir mein Stellenleiter. „Ach, ist es soweit?“, fragte er voller Mitleid. Meine Teamkollegen fanden mein neues Outfit ganz O.K. Abends traf ich mich mit ehemaligen Kollegen, die mich zunächst nur an meinen Gang, aber nicht an den Haaren erkannten. Da die Perücke noch nicht angepasst war, saß sie noch nicht richtig. Die Brille drückte und es war noch ungewohnt.
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